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Warum ich euch davon abrate Presets zu kaufen

Zunächst einmal sei gesagt, dass mich womöglich einige Fotografen, die diese Presets online anbieten, für diesen Beitrag hassen werden.

Was sind Presets?

Wir alle haben schonmal bearbeitete Bilder von Profis gesehen und dachten: „Boah! Das ist mal ein geiler Look! So will ich meine Bilder auch bearbeiten können!“ Diese Marktlücke haben natürlich viele für sich entdeckt und ihre Presets, also Voreinstellungen (normalerweise bei Lightroom) zum Erwerb angeboten. Viele bieten diese dann im Sale für nur 59,- € statt 2999,- € an! Das sind mehr als 98% Ersparnis! Und nur noch heute! … Nur, dass ich auf dieses „nur noch heute!“ wirklich schon seit Monaten beinahe täglich stoße… Aber okay, das kann ja vom Marketing her ja auch klappen. Habe nie was dagegen, wenn jemand es schafft, sein Produkt zu verkaufen. Das, was mich aber doch etwas aufregt: Dreistes Lügen.

Hier sind fünf Gründe gegen Presets:

  1. Individualität: Jedes Bild, jede Lichtsituation, ist individuell. Man kann die Gradationskurve, die ja eigentlich für die meiste Veränderung sorgt, niemals universell parat haben. Es gibt also keine „Geheimzutat“ beim Bearbeiten. Vereinfachungen, ja; von Anfang an perfekte Einstellungen, niemals.
  2. Opulenz: In den Anzeigen wird meistens mit gleich mehreren hundert oder sogar tausend Presets auf einmal geworben. Wenn ihr wirklich ein eigenes Bild mit diesen Presets belegen möchtet, müsst ihr euch erstmal durch alle anderen Presets durcharbeiten, um sich dann doch nicht entscheiden zu können. In der gleichen Zeit habt ihr euch eine genaue Anleitung auf YouTube angeschaut und mehrere Blogs darüber gelesen, wie ihr zu eurem perfekten Look kommt. Tada. Eigenes Preset. Nur eben gratis.
  3. Ausbeute: Wir nehmen mal an, dass die Presets tatsächlich für 2999,- € angeboten werden, also ohne 98% Preisnachlass. Da hat sich ein geübter Fotograf mal eben zwei Tage hingesetzt, ein paar alte, ein paar neue Presets zusammengewürfelt und bietet diese nun zum Download an. Nun nehmen wir mal an, dass dieser erfolgreiche Fotograf auch nur zwanzig Pakete verkauft. Daran verdient er sich dumm und dämlich und ihr habt Material, mit dem ihr eigentlich nichts anfangen könnt. Für den gleichen Preis, könnt ihr genügend Kurse und qualifizierte Webinars belegen, um selber noch bessere Presets zu erstellen. Die Bildbearbeitung über Lightroom ist jetzt wirklich kein Hexenwerk. Dafür müsst ihr keine absoluten Genies und Kreativköpfe sein. Da müssen ganz grob gesagt nur die richtigen Regler an die richtige Stelle geschoben werden … ja gut und noch einige partielle Anpassungen. Aber, mit etwas Übung ein Klacks. Kann jeder relativ schnell lernen. Wenn du das hier lesen kannst, dann kannst du auch Lightroom lernen. Da bin ich mir sicher.
  4. Tückisch: Zurück zur Preisnachlasslüge. Okay ich habe bei Punkt 3. vielleicht etwas übertrieben. Der Verfasser der Werbung aber auch. Klar, gibt es dumme reiche, denen die 2999,- € egal sind. Menschen, die sich versprechen von dieser sogenannten Investition direkt bessere Bilder zu haben. Hah!  Trotzdem wird es schwierig sein gleich mehrere davon zu finden. Daher wird das Paket für zum Beispiel 59,- € angeboten. So viel, wie ein schlichtes Stativ kostet oder ein günstiger Aufsteckblitz. Ein Preis, den vielleicht jeder entbehren kann. Jetzt müssen die Leute nicht reich und dumm sein. Die müssen jetzt nur dumm sein. Okay, fühlt euch nicht beleidigt, wenn ihr da mal etwas bereits investiert haben solltet. Mit dumm meine ich nicht, dass ihr intellektuell vernachlässigt seid, sondern eher „Wusste-Es-Nicht-Besser-Dumm“. Jetzt verkauft der Preset-Ersteller nicht utopische 20 Pakete, sondern mehr als 98% mehr, nämlich über 1000 Pakete. Durch den Prestige-Effekt kann der Anbieter dann auchnoch seine Preise steigern, indem er auf die 2999,- € nicht mehr 98% Nachlass sondern „nur“ 95% Nachlass verspricht. Grob wären es dann zum Beispiel jetzt nicht mehr 59,- € für das Paket, sondern 149,- €. Bei den einen leuchten jetzt die Augen auf und sie sagen „geil, ich erstelle jetzt auch Presets und mache damit unendlich viel Geld“, die anderen denken sich vielleicht „was will er mir da sagen?“. Ja, es wird hier langsam zu wirtschaftlich, daher auf zum letzten Punkt gegen Presets:
  5. Bildidentität: Die Bearbeitung ist heutzutage das, was im riesigen Pool der Fotografen für viele das Alleinstellungsmerkmal bietet. Jetzt habt ihr die Presets erworben. Mehrere hundert weitere Anfänger auch. Jeder hat jetzt den gleichen Stil. Die Motive sind unterschiedlich, aber die Fotos sehen gleich aus. Macht es so überhaupt noch Freude beim Bearbeiten? Ist es noch spannend die Bilder hochzuladen? Denn jeder sieht den gleich Stil hunderte Male. Kurzer Spoiler: Die Menschen werden gelangweilt sein.

Wenn ihr euch dennoch für den Kauf von Presets entscheidet, aus welchem Grund auch immer, werde ich euch nicht davon abhalten. Alle anderen kennen zumindest meine provokanten Gründe, davon Abstand zu nehmen.

Wie kommt man aber an die Looks der Idole ran, ohne Presets zu kaufen? Ja, dazu macht ihr euch am besten vertraut mit dem Bildbearbeitungsprogramm. Für viele Looks gibt es sogar detaillierte Anleitungen. Trotzdem sollte man sich immer wieder diese eine Frage stellen: Willst du kopieren oder dich inspirieren lassen? Daher empfehle ich den Weg der Erarbeitung des eigenen Stils.

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