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Okay

Die Kamera als Begleitung

Eine typische Geschichte


(frei erfunden nach mehreren fremden und persönlichen Erfahrungen)

 

Lukas heiratet? Ist ja der Wahnsinn! Alles Gute zur Verlobung!

„Danke“, kommt es stumpf zurück, nachdem man euphorisch gratuliert hat.

Danach: Stille.

Einige Monate später verfolge ich leicht schmunzelnd und voller Mitfreude die Bilder vom Junggesellenabschied auf Facebook.

Schade eigentlich – hätten wir noch so viel Kontakt wie früher, wäre ich sicher dabei gewesen wie der leicht bekleidete, kleinwüchsige Clown aus der Sahnetorte gesprungen ist und wie Stephan auf der noch tanzenden Stripperin eingeschlafen ist. Die Handyaufnahmen eines für mich Unbekannten versichern eine gelungene Feier.

So ganz in Vergessenheit bin ich jedoch nicht geraten, denn nur einen Tag später kommt ein Anruf von Lukas.

„Du, ehm hörmal, lange nichts von dir gehört. Alles gut? Naja also es geht um Folgendes: Ich würde, also meine Verlobte und ich würden sehr gerne ehm; also wir laden dich herzlich zu unserer Hochzeit am Samstag ein, wenn du Lust und Zeit hast?“

Ich checke sofort meinen Terminkalender. Am Samstag habe ich einen Auftrag und wollte danach endlich mal wieder die Familie besuchen – aber so eine Hochzeit gibt es ja nur ein einziges Mal in jedermanns Leben (hoffentlich). Ich bin sofort bereit meine Verabredungen abzusagen, schließlich waren Lukas und ich früher mal richtig dicke.

Dann kommt dieser eine Twist ins Gespräch, der meine Mundwinkel aus einem Lächeln in einen verärgerten Gesichtsausdruck wirft: „Ach und – unser Fotograf ist abgesprungen – könntest du vielleicht deine Kamera mitnehmen, wär toll!“

Die Antwort, die von mir erwartet wird: „Oh natürlich, für dich doch gerne – nein, ich möchte keine Begleitung mitnehmen und arbeite sehr gerne für dich. Umsonst natürlich. Außerdem kriegst du alle Bilder der Feier bearbeitet und in High End Quality sagen wir mal – am nächsten Tag, wenn das okay ist?“

Die Antwort, die viel eher kommt: „Oh natürlich, wer war Lukas nochmal? Und soll das dann auf Rechnung gehen?“

 

Leider ist das kein Einzelfall und soll ein für alle mal klar sein: Es ist einfach respektlos.

 

Hochzeitsfotografen sind nicht ohne Grund teuer. Ich möchte euch hier eine ganz grobe Berechnung darstellen:

An- und Abfahrt: 50,- €

Shooting vor Ort: 5 Stunden zu je 30,- € = 150,- €

Bearbeitung und Sortierung von ca. 25 Bildern aus dem Paarshooting zu durchschnittlich 45 Min. Aufwand pro Bild bei einem Stundenlohn von 30,- € = 562,50 €

Bearbeitung und Sortierung der restlichen 300 Bilder zu im Idealfall je ca. 2 Minuten: 30,- € = 300,- €

Dann ist wahrscheinlich noch die Gestaltung eines Fotobuchs dabei. Diese liegt normalerweise bei etwa 50,- € ohne Druck


Man kommt auf eine Gesamtsumme von 1087,50 €

Die meisten Fotografen gehen aus Konkurrenzdruck noch 10 bis 15 % mit dem Preis runter.

 

Wie man dann ruhigen Gewissens danach fragen kann, ob jemand seine Kamera mitbringt, um die Hochzeit gratis zu fotografieren, bleibt mir ein Geheimnis. Ich denke, dass die Arbeit viel zu leicht genommen wird. Man könnte natürlich sagen, dass der Stundenlohn zu hoch ist, aber wenn man bedenkt, dass alle Nebenkosten für das Gewerbe wie Steuern, Gebühren, Verschleiß, Fortbildung, Nachrüstung, uvm. mit inbegriffen sind, bleibt kaum noch etwas übrig.

 

Ich möchte also herzlichst darum bitten die Arbeit zu respektieren und gute alte Freunde zu würdigen.

Ein schönes Foto wird nicht geknippst, sondern fotografiert.

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