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Hochzeitsbudget

Vorab möchte ich mich dafür entschuldigen, dass dieser Beitrag leicht satirisch mit dem Thema „Hochzeitsplanung“ umgeht – ja, es teilweise sogar ins Lächerliche zieht. Nimm es mit Humor und fühl dich nicht gleich angegriffen. Dieser Beitrag spiegelt meine Meinung in übertriebener Art und Weise wieder. Wie du deine Hochzeit dann am Ende budgettieren möchtest, bleibt sowieso dir überlassen. Wir alle haben schließlich unsere Prioritäten.

Wer eine sachliche Version lesen möchte, kann gerne hier auf den Beitrag von Sabine Schütte-Hüneke von den Wedding Unicorns klicken.

Immer mehr integriere ich mich mehr oder weniger in Hochzeitsplanungen. Ob es um eine Location geht, den Ablauf, das Design der Einladungskarten, DJs oder Live-Acts. Vor allem finde ich es aber interessant, wie das Verteilen des Budgets, das man für dieses Fest vorgesehen hat, abläuft.

Ich bin jetzt kein Profi, wenn es darum geht eine Hochzeit zu planen. Dennoch habe ich genügend Hochzeiten bei der Planung erlebt, um einen gewissen Überblick zu haben.

Ich mache mal folgende typische, grobe Rechnung für 50 Gäste vor:

Budget 15.000,- €
Location 2.000,- €
Catering / Getränke 5.500,- €
Druck, Design Einladungen/Danksagungen/Menüs 500,- €
Gastgeschenke 250,- €
Hochzeitskleid und Anzug 1.800,- €
Hochzeitstorte 500,- €
Tortenfigur 50,- €
Deko 1.000,- €
Florist 400,- €
Ringe 1.200,- €
Mietwagen 600,- €
Hotel 500,- €
DJ / Band / Sänger(-in) / Freier Redner 300,- €
Fotograf / Videograf 400,- €

Gehen wir mal alles Schritt für Schritt durch.

 

Location

Selbstverständlich bestimmt die Location die gesamte Atmosphäre einer Hochzeit. Ob es statt einem Ballsaal vielleicht doch „nur“ ein Vereinshaus sein soll, steht oft nicht zur Debatte. Die märchenhafte Hochzeit soll doch was unbeschreiblich schönes, bestenfalls einmaliges bleiben.

 

Catering

Masala Putenbrust oder das Smoked Rib-Eye Steak? Ganz klar! Wir sind hier in keiner Universitätsmensa. Her mit den Steaks und dem Champus!

 

Druck und Design von Einladungen, Danksagungen und Menüs

Die Einladungskarte ist das erste, was ein Gast sieht. Nicht dass Oma Gertrud die Einladungskarte doof findet und dann nicht mehr kommen mag. Außerdem schauen wir uns doch andauernd die ganzen Hochzeitseinladungen an, die wir in den Jahren so angesammelt haben, nicht wahr? Ja, oder?

 

Gastgeschenke

Außerdem sammeln wir unzählige Gastgeschenke, für die wir mittlerweile ein ganzes Billy-Regal mit Vitrinentüren haben…

 

Hochzeitskleid und Anzug

Wieviele von denjenigen, die verheiratet sind, haben ihr Hochzeitskleid verstaubt auf dem Dachboden? Idealerweise verkauft man es. Andersherum funktioniert es aber auch. Frau hat das Kleid nur ein mal an – es sieht toll aus! Allerdings haben die tollsten Kleider auch ihren Preis. Wieso also nicht ein bereits getragenes nehmen? Diese sind meistens fachgerecht gereinigt, sterilisiert, aufgearbeitet und kosten meistens fast die Hälfte! Damit lassen sich einige hundert Euro sparen. Natürlich sollte man den Zustand, wie auch beim Gebrauchtwagenkauf, vorher persönlich überprüft haben. Es kommt sogar vor, dass die ehemalige Besitzerin ähnliche Maße gehabt hat und man sich dadurch nicht in Unkosten für Änderungen stürzen muss.

Manchmal soll das Kleid dann noch für die Tochter und die Enkelin vorab eingeplant sein. Ich glaube, dass diese dankbar sind, wenn du den Erlös aus dem Verkauf lieber in einen ergonomischen Schulranzen mit Memory Foam Einlagen investierst. Alles glutenfrei natürlich.

Mal im ernst, die einzige andere Gelegenheit, bei der das Kleid noch rausgeholt wird, ist vielleicht, wenn Frau Mitte 40 ist, es halb anzieht, sich verheult vor den Spiegel setzt und dann ein ganzes XXL Nutellaglas löffelt.

Dann muss nurnoch der Anzug her. Der muss natürlich zum Brautkleid passen. Unbedingt sogar. Oder kann es vielleicht ein guter Anzug sein, den Mann bereits in mehreren Ausführungen im Kleiderschrank hängen hat? Der Vorteil bei uns Männern ist: Die Krawatte, beziehungsweise die Fliege macht den Unterschied. Ansonsten, wenn du eher der „Ich trage auch beruflich eher Jogginghosen“-Typ bist, gilt das Obere – gebraucht ist nicht gleich schlechter.

 

Hochzeitstorte

Na wenn die nicht jeden Geschmack abdeckt, glutenfrei, vegan und low-carb ist, dann ist die Hochzeit im Eimer. Solange ihr, das heiratende Paar, nicht vegan oder sowas seid, ist es doch schei* egal, ob Cousinchen Linda das Gluten nicht richtig verträgt oder Sabines Mitbringsel Olaf gerade auf Diät ist. Es geht um euch! Nehmt die Sorte Torte, die euch gefällt. Vielleicht zwei Sorten, wenn ihr euch nicht entscheiden könnt. Andauernd höre ich von Vierstöckigen Torten mit 12 Geschmacksrichtungen für Jedermann. Es wird oft vergessen, um wen es bei der Hochzeit eigentlich geht – und wenn ihr, also das Brautpaar – einen Mettigel als Hochzeitstorte wollt, dann müssen die anderen einfach damit leben. Verhungern wird schon niemand – gab ja das 100g Smoked Rib-Eye Steak vorhin. Außerdem kleiner Life-Hack nebenbei: Je weniger Etagen, desto weniger kann kaputt gehen.

 

Tortenfigur

Es gibt die kreativsten Tortenfiguren. Im 3D-Druck kann man sogar das Brautpaar darauf abbilden lassen. Unerkennbar, aber der Wille zählt. Man kann die Figuren handbemalt von Künstlern aus der ganzen Welt bestellen oder eine ganze Zombiearmee auf der Torte verteilen, die das Ehepaar an der Tortenspitze dann Rücken an Rücken bekämpft. „Wie ulkig“, denkt sich manch‘ ein Gast beim Vorbeigehen und konzentriert sich dann wieder auf die Moussefüllung seines Mettigels. Das war’s. Das war es wert – nicht wahr?

 

Deko

Letztenendes ist es die Braut, die entscheidet, wie alles umgesetzt werden soll. Wenn etwas nicht ganz genau so abläuft, wie sie es sich wünscht, gibt es ein Drama apokalyptischen Ausmaßes. Es soll alles zusammenpassen. Sämtliche Hussen und Untersetzer sollen in einem Orce clair Ton sein. Eine geringe Pigmentabweichung ist ein Disaster! „Mir doch egal, was es kostet! Das ist Elfenbein und nicht Orce clair!“

Gefrohrene Schmetterlinge, die aus einem Korb fliegen – oder auf den Boden klatschen – je nach Gefrierpunkt; weiße Tauben, die sich kackend panisch durch die Menge flattern; Luftballons, die im ganzen Saal verteilt sind und von den vollkommen gelangweilten Kindern aus Spaß zum Knallen gebracht werden, wobei die etwas älteren Gäste andauernd an ihr Herz greifen, um zu prüfen, ob sie nicht gerade an einem Herzinfarkt gestorben sind.

… manche übertreiben es so richtig.

 

Florist

Ich bin eher der praktische Typ. Ein Blumenstrauß sollte aerodynamisch sein; er hat nämlich nur wenige Funktionen. Einerseits soll sich die Braut zur Beruhigung an etwas hübschen festhalten können. Blumen. Es gibt kaum etwas beruhigenderes. Außerdem sieht es hübsch auf Bildern aus und passt farblich wahrscheinlich zu den oben erwähnten Hussen und den Blumen, die sonst überall herumliegen, wo man den Platz ganz sicher noch brauchen wird. Die wichtigste Funktion ist aber sicherlich, dass er in die Brautjungfernarena geworfen wird, in der nach einem wahren Kampf die Siegerin Sabine, ein eher unbedeutender Gast, einen zerfledderten Blumenstrauß hält. Dieser heißt für Olaf, ihr Date, dass die beiden nun heiraten müssen. Eigentlich ist Olaf nur zum Essen gekommen. Falsche Zeit, falscher Ort, überglückliche Sabine.

 

Ringe

Es gibt sicherlich viele Varianten beim Juwelier viel Geld zu lassen. Ich bin der Meinung, beim Thema „Ringe“ sollte es klassisch, funktionell und persönlich sein. Man muss sich nämlich bewusst machen, dass dieser Ring ein Leben lang getragen wird. Jeden Tag. Jeden!

Manch‘ ein romantikbesessenes Paar möchte gerne einen Blutdiamanten drauf haben, dass das Gold der Ringe aus nicht recycletem, ökologischem, deutschen Anbau stammt oder dass er aus Kryptonit besteht.

Setze den Fokus doch einfach mal aufs Wesentliche. Eheringe sind ein Symbol der ewigen Verbundenheit. Welche Verbundenheit braucht luxuriöse Features, um ewig zu sein?

 

Mietwagen

Die Frau ist für eine Kutsche oder eine Limousine – der Mann für einen Oldtimer oder das Batmobil.

Wenn es etwas gibt, bei dem der Mann mitreden kann, dann ist es das Auto, das das frisch verheiratete Paar von A nach B fährt. Man sollte sich vielleicht mal Gedanken machen, ob einer der Gäste nicht ein Auto hat, das schön genug ist? Vielleicht ist Monikas Mann zufälligerweise stolzer Besitzer eines Autohauses und hat leichen Zugang zu wunderschönen Autos? Hat Opa vielleicht noch einen Oldtimer in der Garage stehen? Das heißt nicht, dass ihr das Ganze gratis bekommt, aber mit Sicherheit günstiger und nicht unbedingt schlechter. Kann natürlich sein, dass die Kutschfahrt auch eine Form eines Hochzeitsgeschenks von irgendwem ist.

 

Hotel

„Die Hochzeitsnacht ist die Nacht, in der die Braut zur Frau wird“, sagt die Oma, die extra zu der Hochzeit aus Schleswig-Holstein angereist ist. Dahingehend hat sie natürlich viele Tipps.

Die Frage ist das: „Wo?“

Idealerweise kommt der Mietwagen von vorhin, fährt das Paar um Mitternacht in ein nahgelegenes Schlosshotel, der neue Ehemann macht der neuen Ehefrau die Tür auf, nimmt sie auf die Arme, die beiden gehen in ihr prachtvolles, riesiges Zimmer mit majestätischem Ausblick, …

Realistischerweise kommt um drei Uhr morgens ein Taxi, nimmt das völlig durchschwitzte, besoffene Eheglück in ein Gasthaus, in dem die beiden dann vollkommen fertig aufs Bett fallen und kaum ausgezogen, mit dem Gesicht nach unten einschlafen. Morgens wachen die zwei total verkatert auf und müssen das Zimmer räumen. Romantik pur halt.

Wenn das Ehepaar Glück hat, geht es sehr bald in den Flieger und in die Flitterwochen. Wenn es Pech hat, erträgt man noch den ganzen Tag grinsende Gesichter der Eltern, Geschwister und Großeltern, die einem unterschwellig sagen wollen: „Ihr habt es getan heute Nacht! Ihr hattet Sex!“

Ich bin der Meinung, dass es ein Mittelmaß zwischen ideal und realistisch sein sollte. Es muss nicht das beste Hotel sein. Die Hauptsache ist, dass es von der Feier relativ schnell zu erreichen ist und eben kein „Drecksloch“. Alles andere ist normalerweise Fantasie.

 

DJ / Band / Sänger(-in) / Freie Redner

Welcher Fragestellung einfach zu wenig Beachtung geschenkt wird, ist: „Was versprichst du dir als Braut oder Bräutigam von der Feier?“

Ist es, dass die Gäste sich wohl fühlen? Dass es ein unvergessliches Event wird? Dass jeder Spaß hat? Dass es Wunderschön ist?

Ich denke, egal für welche Antwort man sich entscheidet, hat man Gäste eingeladen, die einen ganz besonders wunderbaren Lebensschritt bezeugen sollen – und das bei bester Laune. Es gibt außer dem heiratendem Paar nur einen Teil der Hochzeit, der eine besonders große Verantwortung für die unvergessliche Stimmung hat: Der DJ. Oder die Band. Oder der/die Sänger(-in). Eventuell sogar ein freier Redner, der die Gäste gekonnt animieren soll. Was auch immer man bucht, es sollte klar sein, dass es keine Playliste im Ghettoblaster tut. Professionelle Entertainer liefern ein ganzes Paket mit Musik, Beleuchtung und der richtigen Stimmung im richtigen Moment. Aus großer Erfahrung (nicht nur durch Hochzeiten) kann ich sagen, dass sich am Preis normalerweise Qualität erkennen lässt. Ob man eine Sängerin für 150,- € bucht, die sich mehrere Stunden die Seele aus der Lunge schreit oder eine Band, die gekonnt für 1500,- € unterhalten kann, wird man spätestens daran erkennen, wie die Gäste die Atmosphäre bewerten. Auch ein DJ, der einen Stundenlohn unter 120,- € hat, ist möglicherweise kein seriöser Dienstleister beziehungsweise Künstler.

 

Fotograf / Videograf

Diesen Punkt muss ich als jemand, der mindestens aus Leidenschaft fotografiert, versuchen möglichst distanziert zu behandeln. Außerdem schreibe ich zwar vom Fotografen, meine damit aber gleichzeitig auch Videografen, da sich viele Punkte überschneiden.

Ich bin der Meinung, dass ein Fotograf die wichtigste Investition überhaupt ist. Man kann für alles Geld ausgeben, einen anhaltenden Me
hrwert liefert aber nur die Dokumentation.

Hier sind einige wenige Risiken, die man mit einem günstigen Fotografen eingeht: Unscharfe Bilder, ungünstig getroffene Momente, 1000 Bilder, floppe Bearbeitung (höchstens geschmacklose, seit mindestens einem Jahrzehnt aus der Mode gekommenen Color-Keys), Bilder gehen verloren, Technik streikt in wichtigen Momenten (zum Beispiel Ringtausch), Erfahrungsmangel in schwierigen Lichtsituationen, Zusammenarbeit mit billigen Druckereien (Bilder sehen zwei Jahre lang ganz okay aus, fangen dann aber an zu verblassen), billige Fotofilter, … diese Liste ist endlos.

Vorteile eines erfahrenen Fotografen: Professionelles Equipment, das Details scharf und klar festhält – egal in welcher Lichtsituation, Best Of Bilder vorsortiert, hochwertige und langfristig moderne Bearbeitung jedes Bildes, Back-Ups der Bilder, sollte die Technik akut streiken, gibt es immer schnelle Notlösungen, Erfahrung im Posing, Animation und Umgang mit Menschen vor der Kamera, Erfahrung mit Druckereien, die die Bilder in einem Glanz erstrahlen lässt, wie ihn noch die Urenkel erleben können, …

Man kann natürlich sagen, dass der Onkel, der zufälligerweise erst kürzlich eine Spiegelreflexkamera erworben hat, total schöne Fotos auf seinem Facebookprofil hochgeladen hat. Der ist sowieso da, der kann dann auch die Bilder machen. Man kann auch sagen, dass ein Hobbyfotograf ausreicht, ein Foto ist schließlich immernoch ein Foto. Schaut euch doch mal nur so zum Spaß ein Portfolio eines Fotografen, der umgerechnet einen Einsatzstundenlohn von 100,- € hat (mit Einbezug der Nachbearbeitung, etc.) und eines Fotografen, der 300,- € die Stunde nimmt. Es sind nicht nur preislich Welten dazwischen.

Viele sagen an dieser Stelle „das kann ich mir jetzt aber nicht leisten!“. Mal ganz ehrlich – es gibt so viele bessere Optionen zu sparen. Was es zu essen gab, werden die meisten nach einem Jahr vergessen haben. Man zahlt inklusive Getränke pro Gast oftmals über 100,- €(!). Wenn man hier vielleicht nur 75,- € zahlen würde, würde man in der Kalkulation oben insgesamt bereits 1.750,- € eingespart haben. Man kann bei der Torte eine Etage weglassen – wieder 100,- € gespart. Beim Kleid kann man ebenfalls deutlich sparen… und so weiter…

Was ich im Prinzip sagen möchte, es wird meistens einfach vollkommen unstrategisch budgettiert. Man gibt Unsummen für Dinge aus, die wenige Stunden bedeutsam sind. Bei etwas langfristig geplantem wie einer Ehe ergibt das meiner Meinung nach keinen Sinn, außer man plant eben nicht wirklich ewig gemeinsame Erinnerungen teilen zu wollen.

Nicht daran denken Geld auszugeben, sondern daran zu investieren.

Den einen reichen sicherlich totgeblitze Fotos und Handyvideos im Hochformat. Es ist immer eine Frage ob sich jeder eine Hochzeit für 15.000,- € oder mehr leisten kann. Sicherlich gibt es auch gelungene Hochzeiten für unter 5000,- €. Bevor man aber tausende Euro aus dem Fenster wirft, sollte man nicht daran denken Geld auszugeben, sondern daran zu investieren. Nicht nur bei Hochzeiten – immer.

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